Studie zur Unterbringung von Flüchtlingen: behördliche Praxis und zivilgesellschaftliches Engagement

Die wachsende Zahl an Flüchtlingen stellt die Länder und Kommunen in Deutschland vor große Herausforderungen. Diese betreffen nicht nur die Bereitstellung von ausreichendem Wohnraum, sondern auch die adäquate Betreuung und Integration der Flüchtlinge. Eine in Kooperation mit dem Institut für Protest- und Bewegungsforschung durchgeführte Studie bietet erstmals umfassenden Einblick in die gegenwärtige Praxis der Bundesländer und Kommunen bei der Unterbringung von Flüchtlingen.

Der Fokus der Studie liegt auf dem Spannungsfeld zwischen der Verpflichtung der Kommunen und Länder, Flüchtlinge unterzubringen und den Reaktionen der örtlichen Bevölkerung. Die Verfasserinnen analysieren, wie Kommunen im Rahmen bundesgesetzlicher und föderaler Vorgaben agieren und wie sie dabei mit zivilgesellschaftlichen Akteuren und der lokalen Bevölkerung kooperieren. Die Grundlage der Studie bilden Recherchen und Interviews in deutschen Kommunen, anhand derer Konfliktsituationen, aber auch Beispiele guter Praxis nachgezeichnet werden.

Um die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen in den Kommunen positiv im Sinne der Flüchtlinge und AnwohnerInnen zu gestalten, spielt die Stärkung der Handlungskompetenz und Vernetzung kommunalpolitischer und zivilgesellschaftlicher Akteure eine wichtige Rolle. Die rasche Einbindung von Flüchtlingen in das Gemeinschaftsleben vor Ort – durch ausreichend Betreuungs- und Integrationsangebote (inklusive Zugang zu Bildung und Arbeit) – stärkt die Akzeptanz und Unterstützung von Flüchtlingen deutlich. Zudem trägt eine transparente Planung von Flüchtlingsunterkünften unter Einbeziehung der örtlichen Bevölkerung zentral dazu bei, Vorurteilen entgegenzuwirken, Vertrauen zu schaffen und fremdenfeindliche Mobilisierung zu behindern.

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Umfeld einer Bürgerversammlung zur Erstaufnahmeeinrichtung in der Wiesbadener Nordenstadt (Foto: Franz Ferdinand Photography (cc) via Flickr)

Zivilgesellschaftliche Akteure leisten einen großen Beitrag zu Betreuungs- und Integrationsangeboten für Flüchtlinge. Eine wichtige Aufgabe der Verwaltung sehen die Autorinnen deswegen darin, die in der Flüchtlingsarbeit engagierten Gruppen zu unterstützen und professionell zu begleiten. Sie dürfen nicht auf die Funktion der Unterstützer reduziert werden, die bei Versorgungslücken einspringen.

Auch empfehlen die Autorinnen die Unterbringungen in dezentralen und kleinen Wohneinheiten. Flüchtlinge in Deutschland leben oft für lange Zeit in Gemeinschaftsunterkünften. Das ist belastend für die Flüchtlinge und sorgt für eine geringere Unterstützung und Akzeptanz der Flüchtlinge in der lokalen Bevölkerung.

Download der Studie

Jutta Aumüller, Priska Daphi und Celine Biesenkamp: “Die Aufnahme von Flüchtlingen in den Bundesländern und Kommunen. Behördliche Praxis und zivilgesellschaftliches Engagement. Expertise gefördert und herausgegeben von der Robert Bosch Stiftung” (Link zur pdf-Datei)

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